„Ach komm, das wird lustig!“ – mit diesen vermutlich folgenschweren Worten ließen wir uns ein weiteres Mal von Gabi und Jürgen zu einer Busreise mit Fredrich Reisen überreden. Diesmal ging es nach London. Vier Tage. Mit dem Bus. Also wirklich mit dem Bus. Durch mehrere Länder. Freiwillig!
Aber: Die Reise wurde erneut von der weltbesten Reiseleiterin Lio begleitet, die uns bereits im letzten Jahr in Berlin mit ihren Insider-Tipps begeistert hatte. Deshalb hielt sich unser Widerstand diesmal in Grenzen. Naja… zumindest fast.
So klingelte an Himmelfahrt mitten in der Nacht – oder genauer gesagt um kurz nach drei Uhr morgens – der Wecker. Während normale Menschen sich zu dieser Uhrzeit höchstens noch einmal im Bett umdrehen, standen wir geschniegelt, geschniegelt müde und mit reichlich Reiseproviant bewaffnet in Melsungen bereit. Erstes Ziel: Wellerode, Heimat des Fredrich-Busdepots und Sammelstelle für alle Menschen, die offensichtlich nicht genug Schlaf brauchen.

Kurz nach vier Uhr ging es endlich los. In Lohfelden und Kassel stiegen weitere verschlafene Mitreisende ein, die ähnlich begeistert aussahen wie wir. Danach nahm unser rollendes Wohnzimmer Kurs auf Frankreich – genauer gesagt Richtung Dünkirchen.
Nach gefühlt 37 belegten Broten, mehreren Kaffee-Notfällen und ersten kleinen Nackenschmerzen erreichten wir gegen 14 Uhr die Fähre. Endlich mal Beine vertreten! Gemütlich schipperten wir anschließend Richtung englische Küste nach Dover. Und als wäre die Freude über das Ankommen nicht schon groß genug, schenkte uns die Zeitverschiebung direkt eine zusätzliche Stunde Urlaub. England – du alter Gönner!




Im Hotel „London Ibis Excel Docklands“ angekommen, machten wir uns kurz frisch und erkundeten anschließend die überraschend schöne Umgebung zu Fuß. Besonders auffällig: der nahegelegene London City Airport, wo die Flugzeuge gefühlt direkt über unsere Köpfe hinwegschwebten. Für Flugzeugfans ein Highlight – für Gespräche manchmal eher schwierig.
Der kleine Hunger meldete sich natürlich auch bald zu Wort. Also kehrten wir in eine ziemlich coole Pizzeria ein, die sich tatsächlich in einem umgebauten roten Doppeldeckerbus befand. London-Klischee? Ja. Aber ein verdammt leckeres!





Nach dem Essen zeigte das englische Wetter dann vorsichtshalber schon mal, wofür es weltweit bekannt ist. Also zogen wir uns mit einigen Mitreisenden in die gemütliche Hotelbar zurück, wo bei leckeren Drinks noch viel gelacht und über die ersten Reiseeindrücke gequatscht wurde.
Irgendwann siegte dann endgültig die Müdigkeit. Wir fielen ziemlich übermüdet ins Hotelbett – gespannt darauf, was London am nächsten Tag für uns bereithalten würde.
Tag 2
begann nach einem für englische Verhältnisse durchaus akzeptablen Frühstück erstaunlich früh. Wobei „Frühstück“ in England ja immer ein kleines Abenteuer ist. Zwischen Bohnen in Tomatensoße, undefinierbaren Würstchen und Toastbrot in allen Beige-Tönen fand aber letztlich jeder irgendetwas Essbares.
Frisch gestärkt führte uns Reiseleiterin Lio gewohnt souverän durch den Londoner Großstadtdschungel. Und wer schon einmal mit einer größeren Reisegruppe in der Londoner U-Bahn unterwegs war, weiß: Allein das ist eigentlich schon eine olympische Disziplin. Aber Lio navigierte uns routiniert durch Tunnel, Rolltreppen und Menschenmassen, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.


Erstes Ziel: der berühmte Skygarden.
Auf dem Weg dorthin spazierten wir an einigen echten Londoner Schwergewichten vorbei: der Tower Bridge, dem Tower of London und in der Ferne ragte majestätisch „The Shard“ in den Himmel – ein Gebäude, das aussieht, als hätte jemand eine riesige Glasscherbe mitten in London vergessen.


Doch zunächst ging es zum sogenannten „Walkie-Talkie“-Wolkenkratzer. Dort befindet sich in den oberen Etagen der berühmte Skygarden. Bevor wir allerdings die Aussicht genießen durften, wurden wir am Eingang erst einmal gründlich kontrolliert. Die Sicherheitsleute nahmen ihre Aufgabe so ernst, dass wir uns kurz fragten, ob wir versehentlich ins britische Königshaus einheiraten wollten.



Dann endlich: Fahrstuhl nach oben.
Und wow… was für ein Ausblick!
Oben erwartete uns nicht nur ein wunderschön angelegter Garten mit exotischen Pflanzen über mehrere Ebenen, sondern auch ein absolut spektakulärer Blick über ganz London. Fast wie ein kleiner Dschungel mitten in den Wolken. Natürlich wurden ungefähr 17.000 Fotos gemacht – von Pflanzen, Gebäuden, Selfies, Pflanzen mit Gebäuden und Selfies mit Pflanzen und Gebäuden.
Ganz ehrlich: Wenn ihr mal nach London reist – unbedingt hingehen!
Mit randvollem Handyspeicher ging es anschließend wieder nach unten und zu Fuß weiter zum nächsten Highlight: dem Borough Market.
Und was soll man sagen? Dieser Markt war ein einziges kulinarisches Paradies. Überall brutzelte, duftete, dampfte und knusperte es. Viele Lebensmittel sahen so exotisch aus, dass wir bis heute nicht genau wissen, ob man sie essen oder lieber streicheln sollte.
Der absolute Renner waren jedoch die legendären Erdbeeren im Becher, die großzügig mit flüssiger Schokolade übergossen wurden. Preis: schlappe 9,50 Pfund. Dafür erwartet man eigentlich fast, dass die Erdbeeren persönlich vom König serviert werden. Aber lecker waren sie definitiv!
Stefan und Jürgen gönnten sich derweil frische Garnelenspieße und waren ebenfalls begeistert. Fazit: Borough Market – ebenfalls absolute Empfehlung!
Danach stand Kultur auf dem Programm. Es ging ins Museum im Blavatnik Building – moderne Kunst.
Nun ja…
Wie wir Kasselaner als documenta-erprobte Kunstkenner gerne sagen:
„Ist das Kunst oder kann das weg?“
Einige Werke waren wirklich beeindruckend, andere sorgten eher für leicht ratlose Gesichter. Aber genau das gehört bei moderner Kunst wahrscheinlich dazu.
Der anschließende Spaziergang entlang der Themse bei herrlichem Sonnenschein hat mich persönlich jedenfalls deutlich mehr begeistert 😉 Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
Da bei einigen von uns die Füße inzwischen langsam auf „Notbetrieb“ umschalteten, beschlossen wir, den öffentlichen Nahverkehr Londons noch etwas intensiver kennenzulernen. Also ab in den nächsten Bus Richtung Piccadilly Circus.
Schon die Fahrt dorthin war ein Erlebnis. Londoner Busfahren bedeutet nämlich: links fahren, wildes Verkehrschaos beobachten und dabei hoffen, dass man nicht versehentlich eine Sehenswürdigkeit verpasst, weil man gerade versucht, nicht von der nächsten Vollbremsung durch den Bus geschleudert zu werden.
Am Piccadilly Circus angekommen, erkundeten wir das wunderschöne Viertel Soho auf eigene Faust. Und ganz ehrlich: Soho hat sofort dieses typische London-Gefühl vermittelt, das man aus Filmen kennt. Kleine Gassen, bunte Fassaden, unzählige Restaurants, Bars und überall dieses wuselige Großstadtleben.
Besonders die berühmte Carnaby Street hatte es uns angetan. Überall hingen Lichterketten und kreative Dekorationen über der Straße, während sich in den Geschäften alles von total verrückt bis „brauche ich unbedingt!“ finden ließ. Natürlich wurde fleißig geschaut, gestöbert und vermutlich auch die ein oder andere unnötige Kleinigkeit gekauft – gehört schließlich zum Urlaub dazu.
Abends trafen wir uns dann wieder mit den anderen in einem richtig gemütlichen Pub. Genau so, wie man sich einen englischen Pub vorstellt: dunkles Holz, leckere Drinks, entspannte Stimmung und Gespräche, die mit jedem Getränk noch ein bisschen lustiger wurden.
Dort ließen wir den ereignisreichen Tag ganz gemütlich ausklingen – müde Füße inklusive, aber mit ganz vielen Eindrücken im Gepäck.
Tag 3
begann – Überraschung – erneut mit einer Fahrt in der Londoner U-Bahn. Langsam fühlten wir uns schon fast wie Einheimische. Zumindest so lange, bis wir wieder ratlos vor irgendeinem Linienplan standen.
Unser erstes Ziel an diesem Tag: ein riesiger Flohmarkt in Notting Hill.
Doch bevor wir dort ankamen, mussten wir zunächst am berühmten Bahnhof Paddington umsteigen. Und was soll man sagen? Dieser Bahnhof ist so unfassbar groß, dass sich unser Flughafen Kassel-Calden vermutlich problemlos irgendwo zwischen Gleis 4 und einem Snackautomaten verstecken könnte.
Natürlich verlief der Umstieg deshalb auch nicht ganz reibungslos. Mehrere Ebenen, Nebengebäude, Menschenmassen, Rolltreppen in alle Richtungen – kurz gesagt: Wir haben uns erstmal komplett verlaufen. Aber während einige von uns bereits innerlich ein neues Leben im Bahnhof planten, blieb Lio gewohnt entspannt und führte uns schließlich doch noch sicher zum richtigen Gleis.
In Notting Hill angekommen, war es nur noch ein kurzer Fußweg bis zur berühmten Portobello Road mit ihren wunderschönen bunten Häusern. Und dort wartete er: der riesige Floh- und Straßenmarkt.
Tausende Menschen schoben sich durch die Straßen, überall gab es etwas zu entdecken. Antiquitäten, Kleidung, Kunst, Essen, Krimskrams, Dinge, von denen man nicht wusste, dass man sie braucht – und vermutlich auch Sachen, die seit 1974 niemand mehr gesucht hat.
Karin war jedenfalls direkt begeistert und gönnte sich sofort eine „Notting Hill Tote Bag“ als Erinnerung. Die Frauen waren insgesamt im absoluten Shopping-Himmel… die Männer hingegen mussten halt tapfer mitlaufen. Aber wie heißt es so schön: Happy wife, happy life.
Nach etwa 2,5 Stunden trafen wir uns wieder mit der Reisegruppe und fuhren weiter zur Westfield Mall – einem Einkaufszentrum, das eher an eine eigene Stadt erinnerte.
Leider hatten wir dort nur eine Stunde Aufenthalt. Und ganz ehrlich: So lange braucht man dort ungefähr, um den richtigen Ausgang wiederzufinden. Man hätte locker einen kompletten Tag dort verbringen können.
Trotzdem reichte die Zeit natürlich noch für einen kleinen Einkaufserfolg: Karin ergatterte tatsächlich noch ein neues Paar Sneaker 😃 Beim nächsten London-Trip bleiben wir definitiv länger!
Danach ging es wieder zurück Richtung Hotel. Allerdings nur für einen kurzen Boxenstopp, denn das nächste Highlight wartete bereits: die Seilbahn über die Themse.
Mit dieser schwebten wir gemütlich hinüber zur O2 Arena – einer riesigen Multifunktionsarena für Konzerte, Sportevents und Shows. Und als wäre das noch nicht genug, befand sich dort natürlich auch ein Outlet-Shoppingcenter.
Happy wife… ihr wisst schon.
Doch diesmal wurde tatsächlich Stefan fündig! Man glaubt es kaum, aber er gönnte sich eine neue Uhr für seine Sammlung. Ein historischer Moment, der selbstverständlich entsprechend gefeiert werden musste.
In einem kleinen Supermarkt deckten wir uns anschließend noch mit etwas Proviant für die Heimreise am nächsten Tag ein, bevor es mit der Seilbahn wieder zurückging. Die Fahrt über die beleuchtete Themse machte wirklich richtig Spaß und bot noch einmal tolle Ausblicke auf London.
Zum Abschluss des Tages trafen wir uns abends noch gemeinsam in einem gemütlichen Pub zum Essen. Ein perfekter Ausklang für einen weiteren großartigen London-Tag – auch wenn unsere Füße inzwischen offiziell Beschwerde eingelegt hatten.
Tag 4 – Abreise. Leider.
Gefühlt hatten wir uns gerade erst an London, die U-Bahn und das tägliche Kilometerfressen gewöhnt, da hieß es am Sonntagmorgen schon wieder: Koffer packen.
Bereits um 8:15 Uhr mussten wir unser Gepäck in den Bus laden, und um 8:30 Uhr setzte sich unser rollendes Zuhause wieder Richtung Dover in Bewegung. Dank unseres absolut entspannten und souveränen Busfahrers Sunny kamen wir erstaunlich gut durch den Verkehr und erreichten den Hafen tatsächlich schon etwa 1,5 Stunden vor Abfahrt der Fähre.
Zum Glück spielte das Wetter erneut mit, sodass wir uns wenigstens noch ein wenig die Beine vertreten konnten. Wobei „Beine vertreten“ inzwischen eher bedeutete, vorsichtig um den Bus herumzuschlurfen und dabei so zu tun, als hätten wir keinen Muskelkater.
Dann hieß es endlich wieder: Leinen los!
Gemütlich brachte uns die Fähre zurück nach Dünkirchen. Doch ab dort begann leider der zähe Teil der Heimreise. Besonders rund um Antwerpen ging gefühlt überhaupt nichts mehr. Stau soweit das Auge reichte. Unser sorgfältig geplanter Reiseproviant wurde nach und nach vernichtet und irgendwann machte sich leichte Verzweiflung breit.
Zum Glück bewies Sunny erneut wahre Heldenqualitäten und organisierte am späten Nachmittag noch einen kleinen Boxenstopp mit heißen Kochwürstchen. Und seien wir ehrlich: Nach so vielen Stunden Busfahrt schmeckt eine einfache Kochwurst plötzlich wie ein Sterne-Menü.
Irgendwann – nach gefühlt drei weiteren Ländern, sieben Staus und mindestens zwölf Sitzpositionen gegen Rückenschmerzen – erreichten wir schließlich gegen 1 Uhr nachts völlig übermüdet wieder das Busdepot in Wellerode.
Zu Hause in Melsungen angekommen, fielen wir dann gegen 1:30 Uhr endlich komplett erledigt ins Bett.
Und weil das Leben manchmal einfach ein bisschen Humor hat, klingelte um 6:30 Uhr fröhlich der Wecker für die Arbeit.
Fazit:
Trotz der langen Busfahrt war es dank Lio wieder eine wunderschöne Reise mit unzähligen tollen Eindrücken, viel Gelächter, leckerem Essen, müden Füßen und ganz besonderen Momenten in London.
Diese Reise wird uns definitiv noch lange in Erinnerung bleiben – auch wenn wir beim nächsten Mal vielleicht kurz überlegen, ob Flugzeug eventuell doch eine Erfindung mit Potenzial wäre 😉
